Seit Monaten werden wir durch Krisenmeldungen aufgeschreckt und in Unruhe versetzt. Finanzkrise, Klimawandel, Rechtsterrorismus – unser gewohntes Leben scheint bedroht und erschüttert. Wie verarbeiten wir diese Unruhe, diese Schocks? Wie leben wir mit Dauerreizen und Spektakeln? Der Philosoph Christoph Türcke, Professor an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, Träger des Sigmund-Freud-Kulturpreises, diagnostizierte schon vor zehn Jahren in seinem Buch "Die erregte Gesellschaft“: Wir sind nicht Opfer, sondern Süchtige, die mit immer stärkeren medialen Stimulationen beliefert werden wollen. Wir beteiligen uns also am Spiel mit der ständigen Sensationierung. Lassen uns von den Medien Wichtigkeiten suggerieren - allein dadurch, dass sie uns mitgeteilt werden und Aufsehen erregen. Der Kampf ums Dasein wird in der Sensationsgesellschaft zum Kampf ums Wahrgenommenwerden. In seinem neuen Buch „Die hyperaktive Gesellschaft“, das im Februar erscheint, zeigt Christoph Türcke, dass nicht nur Kinder, sondern wir alle aus der neuronalen Balance geraten sind: Wir leiden unter einem kollektives Aufmerksamkeitsdefizit, gegen das kein Ritalin mehr hilft. Wie gehen wir damit um? Was hilft unseren Kindern, aber auch uns selbst? Mit Christoph Türcke spricht Gabriele Heise aus dem Kultwerk-Team.
Gabriele Heise